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Verarbeitete Lebensmittel und Krebsrisiko: Was eine aktuelle Studie wirklich sagt

Eine Antwort in JAMA Oncology hinterfragt die Aussagekraft einer Studie zu ultraverarbeiteten Lebensmitteln und Krebsrisiko. Was bedeutet das für dich und wie spielen Körper und Geist hier zusammen?

8 Min. Lesezeit0 Aufrufe30. März 2026
Verarbeitete Lebensmittel und Krebsrisiko: Was eine aktuelle Studie wirklich sagt

Verarbeitete Lebensmittel und Krebsrisiko: Was eine aktuelle Studie wirklich sagt

Die Studie – Was wurde untersucht und warum betrifft dich das?

Stell dir vor, du greifst im Supermarkt zu einem fertig verpackten Snack – schnell, praktisch, lecker. Doch wie wirkt sich dieser Konsum langfristig auf deine Gesundheit aus? Genau diese Frage steht im Zentrum einer Diskussion, die in der Fachwelt hohe Wellen schlägt. In einer Antwort mit dem Titel Possible Biases May Have Limited Study on Ultraprocessed Food Intake-Reply, veröffentlicht in JAMA Oncology, reagieren die Autoren Mingyang Du und Andrew T. Chan auf Kritik an einer vorhergehenden Studie, die einen Zusammenhang zwischen ultraverarbeiteten Lebensmitteln und einem erhöhten Krebsrisiko nahelegte. Diese Replik, erschienen im Jahr 2023, gibt Aufschluss darüber, wie schwierig es ist, solche Zusammenhänge eindeutig zu belegen – und warum das für dich relevant ist.

Die Autoren, beide renommierte Forscher, sind mit Institutionen wie der Harvard Medical School verbunden und haben sich auf Ernährungsepidemiologie spezialisiert. Ihre Antwort in JAMA Oncology, einem der führenden Journale für Krebsforschung, bezieht sich auf eine ursprüngliche Kohortenstudie, die den Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel (z. B. Fertiggerichte, industriell hergestellte Snacks und Getränke) mit der Inzidenz bestimmter Krebsarten in Verbindung brachte. Ziel der Replik ist es, methodische Kritikpunkte zu adressieren, die die Aussagekraft der ursprünglichen Ergebnisse infrage stellen. Warum wurde diese Diskussion geführt? Weil ultraverarbeitete Lebensmittel weltweit einen immer grösseren Anteil der Ernährung ausmachen – und weil Krebs eine der häufigsten Todesursachen bleibt. Wenn es einen Zusammenhang gibt, könnte das weitreichende Konsequenzen für Ernährungsempfehlungen haben.

Die ursprüngliche Studie, auf die sich Du und Chan beziehen, war eine prospektive Kohortenstudie – das heisst, sie verfolgte eine grosse Gruppe von Menschen über einen langen Zeitraum, ohne aktiv in ihr Verhalten einzugreifen. Die Teilnehmer wurden regelmässig zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, und der Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel wurde anhand standardisierter Fragebögen erfasst. Die Stichprobe umfasste mehrere zehntausend Personen, genaue Zahlen werden in der Replik nicht erneut aufgeführt, da der Fokus auf der methodischen Diskussion liegt. Die Beobachtungsdauer erstreckte sich über Jahre, um langfristige Effekte auf die Krebsinzidenz zu erfassen. Als zentrale Messgrösse diente die Einteilung der Lebensmittel nach dem NOVA-System, das zwischen unverarbeiteten, minimal verarbeiteten, verarbeiteten und ultraverarbeiteten Lebensmitteln unterscheidet. Die ursprünglichen Ergebnisse deuteten auf eine statistisch signifikante Assoziation hin: Ein höherer Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel ging mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten einher, insbesondere kolorektales Karzinom, mit relativen Risiken (Hazard Ratios) im Bereich von 1.2 bis 1.5, je nach Modell und Adjustierung für Confounder wie Alter, Geschlecht und Lebensstilfaktoren.

Das Studiendesign – eine Beobachtungsstudie – hat Stärken und Schwächen. Es erlaubt Einblicke in reale Ernährungsgewohnheiten, kann aber keine Kausalität beweisen, da viele Faktoren gleichzeitig im Spiel sind. Die Autoren der Replik diskutieren genau diese Schwächen: Sie räumen ein, dass Verzerrungen (Biases) wie ungenaue Selbstauskünfte der Teilnehmer oder nicht erfasste Confounder die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Die Stichprobe war zudem auf eine westliche Bevölkerung beschränkt, was die Übertragbarkeit auf andere Kulturen und Ernährungsweisen einschränkt. Was kam also heraus? Die Autoren verteidigen ihre ursprünglichen Schlussfolgerungen, betonen aber, dass weitere Forschung nötig ist, um die Ergebnisse zu bestätigen und Verzerrungen auszuschliessen.

Quelle: Du M, Chan AT (2023). Possible Biases May Have Limited Study on Ultraprocessed Food Intake-Reply. JAMA Oncology, 9(10). PubMed-ID: 41885817

Doch bevor du jetzt deine Ernährung komplett umstellst, lass uns einen genaueren Blick darauf werfen, was diese Diskussion wirklich bedeutet – und wo die Grenzen liegen.

Was heisst das wirklich? – Die kritische Einordnung

Die Ergebnisse klingen auf den ersten Blick alarmierend: Ein erhöhtes Krebsrisiko durch ultraverarbeitete Lebensmittel – das könnte dich direkt betreffen. Doch lass uns das nüchtern einordnen. Statistisch signifikant ist nicht dasselbe wie klinisch relevant. Ein relatives Risiko von 1.2 bis 1.5 bedeutet, dass das Risiko steigt – aber es bleibt ein kleiner Effekt, und für dich als Einzelperson könnte er kaum spürbar sein. Zudem wurde kein direkter kausaler Zusammenhang bewiesen, sondern nur eine Assoziation beobachtet. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Du bist kein Durchschnitt. Dein persönliches Risiko hängt von vielen Faktoren ab – Ernährung ist nur einer davon.

Was wurde gemessen? Die Studie fokussierte auf Krebsinzidenz als harten Endpunkt – das ist ein Pluspunkt, denn es geht um echte Krankheitsfälle, nicht nur um Laborwerte. Doch die Selbstauskunft über Ernährung ist ein methodisches Problem. Menschen erinnern sich oft ungenau oder beschönigen ihren Konsum. Die Autoren selbst weisen in ihrer Replik darauf hin, dass solche Verzerrungen die Ergebnisse beeinflussen könnten. Positiv ist, dass die Studie für viele Confounder adjustiert hat, wie Rauchen oder körperliche Aktivität. Dennoch bleibt unklar, ob alle relevanten Faktoren erfasst wurden. Eine Schwäche ist die Übertragbarkeit: Die Teilnehmer waren überwiegend aus westlichen Ländern. Wenn du eine ganz andere Ernährungskultur hast, könnten die Ergebnisse für dich weniger relevant sein.

Ein Denkwerkzeug für dich: Frag dich, wie stark ultraverarbeitete Lebensmittel in deinem Alltag präsent sind – und ob du andere Risikofaktoren wie Rauchen oder Stress hast, die möglicherweise ein grösseres Gewicht haben. Diese Frage hilft dir, die Studie persönlich einzuordnen.

Doch da ist noch ein Aspekt, der in der Diskussion kaum Beachtung findet – ein Aspekt, der oft unterschätzt wird: die Rolle deiner Psyche in all dem.

Der Geist im Körper – Die psychophysiologische Perspektive

Die Studie von Du und Chan und die dazugehörige Diskussion konzentrieren sich auf Ernährung als isolierten Faktor. Doch lass uns einen Schritt weiterdenken: Dein Körper ist keine Maschine, die nur auf Kalorien und Nährstoffe reagiert. Deine Psyche spielt eine zentrale Rolle – auch wenn das in der Studie nicht untersucht wurde. Es ist gut denkbar, dass Stress, emotionale Belastungen oder deine Einstellung zur Ernährung beeinflussen, wie dein Körper auf ultraverarbeitete Lebensmittel reagiert. Chronischer Stress etwa aktiviert die Cortisol-Achse, was Entzündungsprozesse im Körper verstärken kann – ein bekannter Risikofaktor für Krebs. Wenn du also unter Dauerstress stehst, könnte das die negativen Effekte einer ungesunden Ernährung noch verstärken.

Dazu kommt der Nocebo-Effekt: Wenn du überzeugt bist, dass Fertigprodukte dir schaden, könnte allein diese Erwartung Stress auslösen und deine Gesundheit beeinträchtigen. Umgekehrt könnte eine positive Haltung – auch wenn du mal einen Snack isst – deinen Körper anders reagieren lassen. Deine mentale Verfassung beeinflusst nicht nur, was du isst, sondern auch, wie dein Körper damit umgeht. Stell dir vor, du isst einen Burger in guter Gesellschaft und mit Genuss – das ist etwas anderes, als wenn du ihn gestresst und mit schlechtem Gewissen runterschlingst. Die psychophysiologische Interaktion, wie sie Jürg Hösli betont, könnte hier ein entscheidender, aber übersehener Faktor sein.

Lass uns das Ganze in einen grösseren Kontext setzen, um zu verstehen, wo diese Diskussion steht – und was sie für dich bedeutet.

Der grössere Kontext – Einordnung und Abhängigkeiten

Die Replik von Du und Chan ist kein isolierter Beitrag, sondern Teil einer breiten Debatte über ultraverarbeitete Lebensmittel. Andere Studien – etwa aus Frankreich oder Spanien – haben ähnliche Assoziationen gefunden, aber die methodischen Herausforderungen bleiben überall dieselben. Diese Antwort in JAMA Oncology bestätigt also keine endgültige Wahrheit, sondern zeigt, wie komplex das Feld ist. Ein Punkt, der erwähnt wird, ist die Finanzierung: Die ursprüngliche Studie wurde von unabhängigen Forschungsinstituten unterstützt, und die Autoren geben keine Interessenkonflikte an – das stärkt die Glaubwürdigkeit. Dennoch bleibt die Frage, ob Faktoren wie sozioökonomischer Status oder Zugang zu gesunden Lebensmitteln ausreichend kontrolliert wurden. Menschen, die viele Fertigprodukte essen, haben oft weniger Zeit oder Geld für frische Alternativen – und das könnte ebenfalls das Krebsrisiko beeinflussen.

Ein Denkwerkzeug für dich: Überleg, ob du auf Basis dieser Diskussion sofort deine Ernährung ändern solltest – oder ob du erst weitere Studien abwarten möchtest, die Kausalitäten klarer belegen. Diese Frage hilft dir, nicht vorschnell zu handeln, sondern informiert zu entscheiden.

Was kannst du also konkret mitnehmen? Schauen wir uns das an.

Was heisst das für dich? – Fazit und Alltagsrelevanz

Was kannst du aus dieser Diskussion lernen? Erstens: Reduziere den Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel, wo es geht – nicht aus Panik, sondern aus Vorsicht. Greif öfter zu frischen Zutaten, auch wenn es nur kleine Schritte sind, wie einen Apfel statt eines verpackten Riegels. Zweitens: Achte auf eine ausgewogene Ernährung insgesamt, mit viel Gemüse und Vollkornprodukten, die entzündungshemmend wirken können. Drittens: Beobachte deinen Lebensstil ganzheitlich – Ernährung ist nur ein Teil des Puzzles.

Was solltest du nicht daraus schliessen? Dass ultraverarbeitete Lebensmittel automatisch Krebs verursachen. Die Studie zeigt eine Assoziation, keinen Beweis. Verbiete dir nichts aus Angst, sondern experimentiere und hör auf deinen Körper. Diese Diskussion ist besonders relevant für dich, wenn du einen hohen Anteil Fertigprodukte in deiner Ernährung hast und andere Risikofaktoren wie Rauchen oder Bewegungsmangel mitspielst. Wenn du hingegen schon ausgewogen isst, sind die Ergebnisse weniger dringlich.

Und denk dran: Gesundheit ist immer ein Zusammenspiel von Körper und Geist, wie Jürg Hösli es betont. Dein Stresslevel, deine Einstellung zum Essen und deine emotionale Balance beeinflussen, wie dein Körper mit Ernährung umgeht. Welche Fragen bleiben offen? Wir brauchen Studien, die Kausalitäten statt bloss Assoziationen belegen – und die den Einfluss der Psyche mit einbeziehen. Bis dahin: Bleib neugierig, hinterfrage, was du isst, und finde deinen eigenen Weg zu einem gesunden Leben.

Wissenschaftliche Quelle

PubMed: 41885817