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Antioxidantien und Sport: Die Position der ISSN

Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hat eine offizielle Stellungnahme zur Rolle von Antioxidantien in der Sporternährung veröffentlicht. Sie beleuchtet deren komplexen Einfluss auf Erholung und Trainingsanpassungen, betont die Bedeutung natürlicher Quellen und gibt Empfehlungen zur Supplementierung.

8 Min. Lesezeit3 Aufrufe20. März 2026
Antioxidantien und Sport: Die Position der ISSN

Antioxidantien und Sport: Die Position der ISSN

Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hat eine umfassende Stellungnahme zur Rolle von diätetischen Antioxidantien bei körperlicher Betätigung und sportlicher Leistung veröffentlicht. Diese Position basiert auf einer kritischen Analyse der aktuellen wissenschaftlichen Literatur und soll Athleten, Trainern und Ernährungsfachkräften eine evidenzbasierte Orientierung bieten.

Die Studie im Detail

Die offizielle Position der ISSN, veröffentlicht im Journal of the International Society of Sports Nutrition (PMID: 41701327), wurde von einem Konsortium von Wissenschaftlern unter der Leitung von Gonzalez DE und weiteren Kollegen erstellt. Die Autoren führten eine systematische Überprüfung der vorhandenen Forschung durch, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Antioxidantien, oxidativem Stress und sportlicher Leistung zu bewerten.

Die wichtigsten Punkte der ISSN-Stellungnahme sind:

  • Redox-Balance: Ein leicht erhöhter oxidativer Stress (Eustress) kann positive physiologische Anpassungen fördern, während übermässiger oxidativer Stress (Distress) Gesundheit, Erholung und Leistung beeinträchtigen kann.
  • ROS/RNS und Anpassung: Moderate Mengen an trainingsinduzierten reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS/RNS) unterstützen Trainingsanpassungen. Exzessive Mengen können jedoch Muskelschäden, Entzündungen sowie eine verminderte körperliche Leistung und Immunfunktion verursachen.
  • Schutzmechanismen: Endogene und exogene Antioxidantien schützen Zellen, indem sie freie Radikale neutralisieren und oxidative Schäden an Biomolekülen reduzieren.
  • FDA-Kennzeichnung: Die FDA-Kennzeichnung für „Antioxidantien“ gilt für Nährstoffe mit etablierten Referenzdosen (RDI) und nachgewiesener antioxidativer Aktivität, typischerweise Vitamin C und E, Beta-Carotin, Selen, Zink, Kupfer und Mangan.
  • Individuelle Anpassung: Die Wirkung von diätetischen Antioxidantien variiert, und ihre Anwendung sollte auf individuelle Leistungs- oder Erholungsziele zugeschnitten sein.
  • Endogene Abwehr: Langfristiges Training stärkt die körpereigene antioxidative Abwehr und sollte die primäre Strategie zur Verbesserung der Redoxkapazität sein, bevor eine Supplementierung in Betracht gezogen wird.
  • Bevorzugte Quellen: Vollwertige Lebensmittel und Getränke, die reich an Flavonoiden, Polyphenolen, Carotinoiden, Vitaminen und Mineralien sind, sind die bevorzugten Antioxidantienquellen.
  • Supplementierung: Eine Nahrungsergänzung ist am besten bei Nährstoffmängeln, unzureichender Nahrungsaufnahme oder in Perioden hoher Trainingsbelastung angezeigt.
  • Individuelle Reaktionen: Die Reaktionen auf eine Supplementierung variieren je nach individuellen Faktoren wie Trainingszustand, antioxidativer Kapazität im Ausgangszustand, Demografie, Ernährung und Verletzungsrisiko. Einige Antioxidantien können kognitive, verhaltensbezogene oder physische Vorteile bieten.
  • Evidenzbasierte Empfehlungen: Kreatin-Monohydrat (0.1 g/kg/Tag), Omega-3-Fettsäuren (1000-6000 mg/Tag EPA+DHA für 6-12 Wochen), Sauerkirsche (480 mg Pulver oder 60-90 ml Saft/Tag für 7-14 Tage) und Astaxanthin (4-12 mg/Tag für 4-12 Wochen) gehören zu den Nährstoffen mit moderater bis hoher Evidenz für ihre antioxidativen Effekte in Bezug auf Erholung oder Leistung, ohne Trainingsanpassungen zu beeinträchtigen. Die meisten anderen zeigen eine schwache oder geringe Wirksamkeit.

Einordnung

Die ISSN-Stellungnahme betont die Komplexität der Rolle von Antioxidantien im Sport. Sie verdeutlicht, dass oxidativer Stress nicht per se negativ ist, sondern in moderatem Masse für Trainingsanpassungen notwendig sein kann. Dies steht im Gegensatz zu einer vereinfachten Sichtweise, die jeglichen oxidativen Stress als schädlich betrachtet. Die Stärke dieser Position liegt in ihrer umfassenden Bewertung und der Differenzierung zwischen endogenen Systemen und exogenen Quellen. Sie hebt hervor, dass der Körper durch Training seine eigenen Abwehrmechanismen stärkt und dass eine pauschale Supplementierung mit hohen Dosen von Antioxidantien diese natürlichen Anpassungsprozesse stören könnte. Eine Limitation könnte sein, dass die individuellen Reaktionen auf Antioxidantien sehr vielfältig sind und weitere Forschung erforderlich ist, um spezifische Empfehlungen für alle Athletentypen und -situationen zu geben.

Relevanz für die Praxis

Für Sportler und gesundheitsbewusste Menschen bedeutet dies, dass eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten die beste Strategie ist, um eine ausreichende Zufuhr von Antioxidantien sicherzustellen. Diese natürlichen Quellen liefern ein breites Spektrum an bioaktiven Substanzen, die synergistisch wirken. Eine Supplementierung sollte gezielt und nach sorgfältiger Abwägung erfolgen, insbesondere wenn Nährstoffmängel vorliegen oder in Phasen extremer Belastung. Die Empfehlung, Creatin, Omega-3-Fettsäuren, Sauerkirsche und Astaxanthin als vielversprechende Ergänzungen zu betrachten, bietet konkrete Anhaltspunkte für Athleten, die ihre Erholung und Leistung optimieren möchten, ohne die Trainingsanpassungen zu beeinträchtigen.

Fazit

Die ISSN-Stellungnahme liefert eine differenzierte und evidenzbasierte Perspektive auf die Rolle von Antioxidantien im Sport. Sie unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung als primäre Quelle und rät von einer undifferenzierten hochdosierten Supplementierung ab. Stattdessen wird ein individualisierter Ansatz gefördert, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen oxidativem Stress, Trainingsanpassung und Nährstoffzufuhr berücksichtigt.

Wissenschaftliche Quelle

Journal of the International Society of Sports Nutrition