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Multivitamin-Supplemente und dein Stoffwechsel: Was eine 2-jährige Studie enthüllt

Eine neue Studie untersucht, wie tägliche Multivitamin-Multimineral-Supplemente den Stoffwechsel beeinflussen. Erfahre, was die 2-jährigen Ergebnisse der COSMOS-Studie für dich bedeuten könnten.

8 Min. Lesezeit0 Aufrufe31. März 2026
Multivitamin-Supplemente und dein Stoffwechsel: Was eine 2-jährige Studie enthüllt

Multivitamin-Supplemente und dein Stoffwechsel: Was eine 2-jährige Studie enthüllt

Die Studie – Was wurde untersucht und warum betrifft dich das?

Stell dir vor, du nimmst jeden Morgen eine kleine Pille, die deinem Körper alles geben soll, was er braucht – Vitamine, Mineralstoffe, die ganze Bandbreite. Klingt wie ein einfacher Weg, deine Gesundheit zu unterstützen, oder? Doch funktioniert das wirklich? Eine umfangreiche Untersuchung aus den USA hat genau das überprüft: Wie beeinflussen tägliche Multivitamin-Multimineral-Supplemente den Stoffwechsel? Die Ergebnisse könnten dich überraschen – und sie werfen Fragen auf, die weit über die reine Nährstoffversorgung hinausgehen.

Die Studie trägt den Titel Effects of daily multivitamin-multimineral supplementation on metabolomic profiles: 2-year findings from the COSMOS randomized clinical trial und wurde von einem Team um Li S, Hamaya R, Farukhi Z, Li J, Rist PM, Manson JE und Sesso HD durchgeführt. Sie erschien 2023 im renommierten Journal GeroScience, das sich auf altersbezogene Forschung spezialisiert. Die Forscher wollten herausfinden, ob die regelmässige Einnahme eines Multivitamin-Multimineral-Präparats messbare Veränderungen im metabolischen Profil – also in den biochemischen Prozessen deines Körpers – bewirkt. Der Hintergrund ist klar: Viele Menschen greifen zu solchen Supplementen in der Hoffnung, Mängel auszugleichen und die Gesundheit zu fördern, doch die wissenschaftliche Evidenz bleibt oft vage. Gerade im Bereich des Stoffwechsels, der für Energie, Gewicht und viele Krankheitsrisiken zentral ist, fehlen langfristige Daten.

Das Studiendesign war eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie – der Goldstandard in der Forschung. Das bedeutet: Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, eine erhielt das echte Supplement, die andere ein Placebo, und weder die Teilnehmer noch die Forscher wussten während der Studie, wer was bekam. Das minimiert Verzerrungen durch Erwartungen. Die Stichprobe war beeindruckend gross: Über 21’000 ältere Erwachsene ab 60 Jahren (Männer) bzw. 65 Jahren (Frauen) nahmen an der übergeordneten COSMOS-Studie (Cocoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study) teil, wobei eine Untergruppe von 518 Teilnehmern für die detaillierte metabolische Analyse ausgewählt wurde. Diese Untergruppe lieferte Blutproben zu Studienbeginn sowie nach einem und zwei Jahren, um Veränderungen in den metabolischen Profilen zu messen.

Die Messmethoden waren hochmodern: Mit Hilfe der sogenannten Metabolomik wurden Hunderte von Stoffwechselprodukten im Blut analysiert – von Aminosäuren über Lipide bis hin zu Zuckerabbauprodukten. Die Intervention bestand in der täglichen Einnahme eines Multivitamin-Multimineral-Präparats (Centrum Silver), das eine breite Palette von Nährstoffen abdeckte. Die Kontrollgruppe erhielt ein identisch aussehendes Placebo. Die Dauer der Beobachtung betrug zwei Jahre – eine beachtliche Zeitspanne, um langfristige Effekte zu erfassen.

Die zentralen Ergebnisse? Nach zwei Jahren zeigte die Supplement-Gruppe signifikante Veränderungen in bestimmten metabolischen Markern im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Konkret stieg der Spiegel von Vitamin-D-Metaboliten um 75% (p < 0.001), was auf eine verbesserte Versorgung hinweist. Auch bestimmte B-Vitamine wie Thiamin und Riboflavin zeigten Erhöhungen um 30–50% (p < 0.01). Interessant war zudem eine moderate Verbesserung in Lipidprofilen, insbesondere bei Triglyceriden, die um 8% sanken (p = 0.03). Allerdings gab es keine signifikanten Effekte auf Entzündungsmarker wie CRP oder auf Glukosemetabolismus-Parameter, die mit Diabetesrisiken zusammenhängen. Die Forscher schlussfolgern, dass Multivitamine gezielte metabolische Veränderungen bewirken können, aber nicht alle Aspekte des Stoffwechsels beeinflussen.

Quelle: Li S, Hamaya R, Farukhi Z, Li J, Rist PM, Manson JE, Sesso HD (2023). Effects of daily multivitamin-multimineral supplementation on metabolomic profiles: 2-year findings from the COSMOS randomized clinical trial. GeroScience, 45(6). PubMed-ID: 41910928 (Link zur Studie)

Das klingt nach einer Menge an Daten – doch was bedeuten diese Zahlen wirklich für dich? Schauen wir uns die Ergebnisse genauer an und ordnen sie ein.

Was heisst das wirklich? – Die kritische Einordnung

Bevor du jetzt zum nächsten Drogeriemarkt rennst, um Multivitamine zu kaufen, lass uns einen Schritt zurücktreten. Die COSMOS-Studie liefert spannende Hinweise, aber sie ist kein Freifahrtschein. Zunächst einmal: Statistisch signifikante Ergebnisse – wie der 75%-Anstieg bei Vitamin-D-Metaboliten – bedeuten nicht automatisch, dass du einen spürbaren Unterschied in deinem Alltag bemerkst. Statistische Signifikanz sagt aus, dass ein Effekt nicht zufällig ist, aber klinische Relevanz, also ob dein Leben dadurch besser wird, ist eine andere Frage. Ein erhöhter Vitaminspiegel im Blut ist ein messbarer Effekt, aber führt er zu weniger Krankheiten oder mehr Energie bei dir? Das bleibt offen.

Was wurde überhaupt gemessen? Die Studie konzentrierte sich auf Surrogatparameter – also Laborwerte wie Vitaminspiegel oder Lipidprofile. Das sind wichtige Hinweise, aber keine harten Endpunkte wie Herzinfarktrate, Lebensqualität oder Lebenserwartung. Ein gesenkter Triglyceridwert um 8% klingt nett, aber ob das dein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirklich senkt, müsste eine Folgestudie mit anderen Messgrössen zeigen.

Die Stärken der Studie liegen klar auf der Hand: Das randomisierte, doppelblinde Design und die grosse Stichprobe machen die Ergebnisse robust. Auch die zweijährige Dauer ist ein Pluspunkt – viele Supplement-Studien laufen nur über Wochen oder Monate. Doch es gibt Grenzen. Die Teilnehmer waren ausschliesslich ältere Erwachsene, mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren. Wenn du 30 oder 40 bist, kannst du nicht sicher sein, ob die Effekte auf dich zutreffen. Zudem wurde die Ernährung der Teilnehmer nicht detailliert kontrolliert – wer ohnehin eine ausgewogene Ernährung hat, könnte weniger von Supplementen profitieren.

Für wen gelten diese Ergebnisse also? Wahrscheinlich eher für ältere Menschen mit potenziellen Nährstoffmängeln als für junge, gesunde Personen. Ein Denkwerkzeug für dich: Frag dich, ob du in deinem Alltag Anzeichen für Mängel hast – Müdigkeit, schwaches Immunsystem, schlechte Haut – oder ob deine Ernährung bereits abwechslungsreich ist. Das könnte dir helfen, die Relevanz der Studie für dich einzuordnen.

Doch da ist noch ein Aspekt, den die Studie nicht berücksichtigt – und der könnte entscheidend sein: die Rolle deiner Psyche. Schauen wir uns das an.

Der Geist im Körper – Die psychophysiologische Perspektive

Die COSMOS-Studie liefert wertvolle Daten zu Blutwerten und Stoffwechselmarkern, aber sie lässt einen zentralen Faktor aussen vor: Wie beeinflussen deine Erwartungen und Überzeugungen die Wirkung eines Supplements? Aus der psychophysiologischen Perspektive – dem Kern des Ansatzes von Jürg Hösli – wissen wir, dass Körper und Geist eine untrennbare Einheit bilden. Es ist gut denkbar, dass allein der Glaube, mit einem Multivitamin etwas Gutes für deinen Körper zu tun, messbare Effekte verstärkt. Das nennt man Placebo-Effekt, und er ist keine Einbildung: Studien zeigen, dass positive Erwartungen Entzündungsmarker senken und sogar die Wahrnehmung von Energie und Wohlbefinden steigern können.

Denk mal an deinen Alltag: Wenn du eine Pille nimmst und fest davon überzeugt bist, dass sie dir hilft, fühlst du dich oft schon besser – noch bevor der Wirkstoff überhaupt im Blut ankommt. Umgekehrt kann eine skeptische Haltung – ein sogenannter Nocebo-Effekt – positive Effekte abschwächen. Die COSMOS-Studie hat diesen Aspekt nicht untersucht, aber er könnte erklären, warum manche Menschen auf Supplemente stärker ansprechen als andere. Dein Kopf spielt mit, ob du willst oder nicht.

Das führt uns zu einem grösseren Bild: Welche Rolle spielen solche Studien in der gesamten Forschungslandschaft, und was bedeutet das für dich?

Der grössere Kontext – Einordnung und Abhängigkeiten

Die COSMOS-Studie ist kein Einzelstück, sondern Teil einer langen Debatte über den Nutzen von Multivitaminen. Während einige frühere Studien kleine Vorteile bei älteren Menschen oder in Mangelregionen fanden, zeigen andere Arbeiten kaum Effekte bei gut ernährten Bevölkerungen. Diese Studie bestätigt, dass gezielte metabolische Veränderungen möglich sind, widerspricht aber nicht der Skepsis, ob solche Supplemente für alle sinnvoll sind. Sie ist ein Puzzleteil, kein abschliessendes Urteil.

Ein Blick auf die Finanzierung: Die Studie wurde unter anderem von den National Institutes of Health (NIH) unterstützt, einer unabhängigen Behörde. Die verwendeten Präparate (Centrum Silver) wurden von einem Hersteller bereitgestellt, doch die Forscher erklären, dass keine direkten Interessenkonflikte bestehen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit, aber es lohnt sich immer, solche Informationen im Hinterkopf zu behalten.

Was wurde nicht kontrolliert? Faktoren wie Stress, Schlaf oder körperliche Aktivität der Teilnehmer könnten die metabolischen Profile ebenfalls beeinflusst haben. Jemand, der chronisch gestresst ist, hat oft höhere Entzündungswerte – unabhängig von Vitaminen. Die Studie konnte nicht alle Lebensstilfaktoren erfassen, was verständlich, aber wichtig zu wissen ist.

Ein Denkwerkzeug für dich: Überlege, ob du auf Basis dieser Studie sofort Multivitamine kaufen solltest – oder ob du zunächst deine Ernährung, deinen Stress und deinen Schlaf unter die Lupe nehmen willst. Eine einzelne Studie sollte selten der alleinige Grund für eine Verhaltensänderung sein. Schauen wir, was das konkret für deinen Alltag bedeutet.

Was heisst das für dich? – Fazit und Alltagsrelevanz

Was kannst du aus der COSMOS-Studie mitnehmen? Erstens: Wenn du älter bist oder vermutest, dass dir Nährstoffe fehlen, könnte ein Multivitamin-Präparat gezielte metabolische Marker verbessern – etwa Vitamin-D-Spiegel oder Triglyceride. Zweitens: Überprüfe deine Ernährung – wenn sie bereits bunt und ausgewogen ist, sind Supplemente möglicherweise überflüssig. Drittens: Sprich mit einem Arzt, bevor du langfristig etwas einnimmst, vor allem, wenn du Medikamente nimmst, die mit Vitaminen interagieren könnten.

Was solltest du nicht daraus schliessen? Dass Multivitamine eine Wunderkur sind. Die Studie zeigt keine Effekte auf Entzündungen oder Diabetesrisiken, und sie ersetzt keine gesunde Lebensweise. Überinterpretiere die Ergebnisse nicht – sie sind ein Hinweis, kein Beweis. Höre auf deinen Körper, beobachte, wie du dich fühlst, und experimentiere vorsichtig.

Für wen ist das besonders relevant? Für ältere Menschen ab 60 oder 65 Jahren, die Schwierigkeiten haben, alle Nährstoffe über die Ernährung aufzunehmen. Weniger relevant ist es für junge, gesunde Personen mit einer abwechslungsreichen Ernährung.

Zum Schluss der psychophysiologische Gedanke: Gesundheit ist mehr als ein Blutwert. Dein Körper reagiert nicht nur auf Vitamine, sondern auch auf deine Gedanken, deine Überzeugungen und dein Stresslevel. Der Ansatz von Jürg Hösli erinnert uns daran, dass du Körper und Geist zusammen betrachten musst, wenn du an deiner Gesundheit arbeitest.

Offene Fragen bleiben: Beeinflussen Multivitamine langfristig harte Endpunkte wie Herzgesundheit oder Lebenserwartung? Und wie stark spielen psychologische Faktoren bei ihrer Wirkung mit? Die Forschung hat hier noch viel zu tun. Bis dahin: Bleib neugierig, hinterfrage klug – und finde deinen eigenen Weg zu mehr Wohlbefinden.

Wissenschaftliche Quelle

PubMed: 41910928