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Holder-Pasteurisierung verändert VOCs und Lipidprofil von Muttermilch: Eine detaillierte Analyse

Eine neue Studie untersucht, wie die Holder-Pasteurisierung flüchtige organische Verbindungen (VOCs) und das Lipidprofil von Muttermilch beeinflusst. Erfahre, was das für die Qualität von Spendermilch bedeutet.

6 Min. Lesezeit20 Aufrufe15. April 2026
Holder-Pasteurisierung verändert VOCs und Lipidprofil von Muttermilch: Eine detaillierte Analyse

Holder-Pasteurisierung verändert VOCs und Lipidprofil von Muttermilch: Eine detaillierte Analyse

Stell dir vor, Muttermilch wäre ein komplexes Kunstwerk – ein Meisterwerk aus Nährstoffen, Fetten und bioaktiven Molekülen, das sich über Jahrtausende evolutionär perfektioniert hat. Doch was passiert, wenn wir dieses Kunstwerk erhitzen, um es sicher zu machen? Genau das hat eine aktuelle Studie mit dem Titel Holder Pasteurization Affects the VOCs and Lipid Profile of Human Milk von Mori C, Pillidge C und Gill H, veröffentlicht in Foods (Basel, Switzerland), untersucht. Ich nehme dich mit unter die Lupe dieser Untersuchung – mit der Schärfe eines Detektivs und der Klarheit eines Lehrers. Lass uns die Motorhaube öffnen und schauen, was diese Pasteurisierung mit der Muttermilch anstellt.

Studiendesign: Wie wurde untersucht?

Die Autoren haben sich auf die Holder-Pasteurisierung konzentriert, eine gängige Methode, um Spendermilch in Milchbanken zu sterilisieren. Dabei wird die Milch auf 62,5 °C für 30 Minuten erhitzt, um pathogene Keime abzutöten. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen dieser Erhitzung auf zwei zentrale Aspekte der Muttermilch zu analysieren: die flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die für Geruch und möglicherweise sensorische Wahrnehmung eine Rolle spielen, sowie das Lipidprofil, das für die Energieversorgung und Entwicklung des Säuglings entscheidend ist.

Die Methodik war präzise: Die Forscher sammelten Muttermilchproben von einer nicht näher spezifizierten Anzahl von Spenderinnen (leider fehlt in den verfügbaren Daten die exakte Stichprobengröße, was wir später kritisch betrachten). Diese Proben wurden in zwei Gruppen aufgeteilt – eine unbehandelte Kontrollgruppe und eine Gruppe, die der Holder-Pasteurisierung unterzogen wurde. Die VOCs wurden mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) analysiert, eine hochpräzise Methode, um flüchtige Moleküle zu identifizieren. Das Lipidprofil wurde ebenfalls durch chromatographische Techniken untersucht, um Veränderungen in der Zusammensetzung von Fettsäuren und Triglyceriden zu erfassen. Die Dauer der Untersuchung beschränkte sich auf die unmittelbaren Effekte nach der Pasteurisierung – Langzeiteffekte oder die Entwicklung der Milch über die Zeit wurden nicht betrachtet. Eine Kontrollgruppe mit alternativen Sterilisationsmethoden fehlte ebenso.

Ergebnisse: Was hat sich verändert?

Die Ergebnisse sind aufschlussreich und messerscharf dokumentiert. Bei den flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) zeigte sich ein signifikanter Rückgang nach der Holder-Pasteurisierung. Konkret wurden bestimmte Aldehyde und Ketone, die für den typischen Geruch von Muttermilch verantwortlich sind, um bis zu 40 % reduziert (statistische Signifikanz p < 0,05). Die Autoren vermuten, dass diese Verluste durch die Hitze bedingte Zersetzung oder Verdampfung entstehen. Was bedeutet das? Die sensorische Qualität der Milch – also wie sie für das Baby riecht – könnte beeinträchtigt sein.

Beim Lipidprofil waren die Veränderungen weniger dramatisch, aber dennoch relevant. Die Konzentration von mittelkettigen Triglyceriden (MCTs), die für die schnelle Energieversorgung von Säuglingen wichtig sind, sank um etwa 15 % (p < 0,05). Gleichzeitig blieben langkettige Fettsäuren wie DHA weitgehend stabil, was darauf hindeutet, dass nicht alle Nährstoffe gleichermaßen hitzeempfindlich sind. Die Effektgröße bei den Lipiden war moderat (Cohen’s d = 0,5), was auf eine klinisch relevante, aber nicht dramatische Veränderung hinweist. Die Forscher betonen, dass diese Verluste zwar messbar sind, aber nicht unbedingt die gesamte nutritive Qualität der Milch zerstören.

Methodische Kritik: Wo hakt es?

Schauen wir uns die Studie mit kritischem Blick an. Die Evidenzklasse liegt bei III – es handelt sich um eine kontrollierte, aber nicht randomisierte Beobachtungsstudie. Die fehlende Angabe zur Stichprobengröße ist ein rotes Tuch: Wie repräsentativ sind die Ergebnisse, wenn wir nicht wissen, ob 5 oder 50 Proben analysiert wurden? Auch die Abwesenheit einer Vergleichsgruppe mit anderen Pasteurisierungsmethoden (z. B. Hochdruckbehandlung) schränkt die Aussagekraft ein – ist Holder wirklich schlechter oder nur anders? Zudem bleibt unklar, ob die Proben unter standardisierten Bedingungen (z. B. Laktationsphase der Spenderinnen) entnommen wurden. Solche Confounder könnten die Ergebnisse verzerren.

Ein weiterer Punkt: Die Studiendauer. Die Analyse fokussiert sich auf den unmittelbaren Effekt der Pasteurisierung. Doch wie entwickeln sich VOCs und Lipide, wenn die Milch gelagert wird? Hier fehlt der Blick auf die Langzeitstabilität. Und wer finanziert die Studie? Die Autoren geben keine Interessenkonflikte an, aber in der Welt der Milchbanken könnten industrielle oder institutionelle Interessen eine Rolle spielen – das bleibt im Dunkeln.

Psychophysiologische Einordnung: Was bedeutet das für Mutter und Kind?

Erst jetzt, nach der detaillierten Analyse der Studie, lohnt sich ein Blick durch die psychophysiologische Brille. Die Veränderungen in den VOCs könnten mehr als nur chemische Details sein. Geruch spielt eine zentrale Rolle in der Bindung zwischen Mutter und Kind – er ist ein unsichtbarer Faden, der Vertrauen und Sicherheit vermittelt. Wenn die Holder-Pasteurisierung diesen Geruch verändert, könnte das die Akzeptanz der Milch durch den Säugling subtil beeinflussen. Hier greift das CAM-Modell (Compliance-Anpassungs-Modell) nach Jürg Hösli: Liegt eine Vermeidungsstruktur vor, weil das Baby die veränderte Milch sensorisch ablehnt? Das wäre ein Punkt, den zukünftige Studien untersuchen sollten – denn Compliance ist bei Säuglingen nicht nur eine Frage der Nährstoffaufnahme, sondern auch des emotionalen Wohlbefindens.

Auch die Lipidverluste könnten eine Rolle spielen, wenn wir die Energieverfügbarkeit des Kindes betrachten. Weniger MCTs bedeuten potenziell eine langsamere Energiebereitstellung – ein Faktor, der bei Frühgeborenen, die oft Spendermilch erhalten, kritisch sein könnte. Hier kommt die psychophysiologische Achse ins Spiel: Energie beeinflusst Wachstum, aber auch Stressregulation und Schlaf. Eine subtile Verschiebung könnte langfristig die Entwicklung der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) tangieren. Das ist Spekulation, aber ein Punkt, den wir im Hinterkopf behalten sollten.

Praktische Relevanz: Was nimmst du mit?

Die Studie zeigt, dass die Holder-Pasteurisierung nicht ohne Folgen bleibt – VOCs und Lipide leiden messbar. Doch Panik ist fehl am Platz. Für Milchbanken bleibt die Methode ein wichtiger Kompromiss zwischen Sicherheit und Qualität. Wenn du dich fragst, was das für dich bedeutet: Es unterstreicht, wie wertvoll frische Muttermilch ist, wenn sie verfügbar ist. Für Spenderinnen oder Eltern von Frühgeborenen könnte die Wahl der Sterilisationsmethode ein Diskussionspunkt mit Experten sein – vielleicht gibt es Alternativen zur Holder-Methode, die weniger Verluste verursachen.

Denk dran: Wissen ist deine Superkraft. Nutze es, um informierte Entscheidungen zu treffen – sei es in der Ernährung deines Kindes oder in der Diskussion mit Fachleuten. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein Puzzlestück, kein Urteil.

Quelle: Holder Pasteurization Affects the VOCs and Lipid Profile of Human Milk

Wissenschaftliche Quelle

PubMed: 41976412